ESC und Fruktan im Hochsommer: Warum euer Pferd auch bei sattem Grün gefährdet ist

Üppig grüne Weiden, warme Sommertage – das wirkt nach perfekten Bedingungen. Doch auch im Hochsommer steigen die Zuckerwerte im Gras oft unbemerkt an und belasten Stoffwechsel und Hufe eures Pferdes. Zwei Begriffe sind dabei entscheidend: ESC und Fruktan – beide stecken im Gras, wirken im Pferd aber unterschiedlich.

Autor: dein WEIDEWETTER Team

Neele kennt Pferde von innen – als Designerin, Verhaltenstherapeutin und Futterberaterin. Luis kennt die Reitsportbranche von außen – und programmiert besser als er reitet. Gemeinsam bauen sie WEIDEWETTER, weil sie finden: die Gesundheit eines Pferdes darf nicht vom Geldbeutel seines Halters abhängen.

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Inhaltsverzeichnis

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Was sind ESC und Fruktan überhaupt?

Beide Begriffe gehören zur größeren Gruppe der wasserlöslichen Kohlenhydrate (WSC), die Gräser als Energiespeicher bilden. Der Unterschied liegt in der Löslichkeit und im Verdauungsweg:

ESC (Ethanol Soluble Carbohydrates)

ESC umfasst einfache Zucker wie Glukose, Fruktose und Saccharose sowie einen kleinen Anteil kurzkettiger Fruktane. Diese Zucker werden bereits im Dünndarm aufgenommen und gehen direkt ins Blut über – sie lösen also eine echte Blutzucker- und Insulinreaktion aus. Für stoffwechselempfindliche Pferde, etwa mit EMS (Equinem Metabolischem Syndrom) oder PSSM, ist genau dieser ESC-Wert besonders relevant.

Fruktan

Fruktan ist ein langkettiges Speicherkohlenhydrat aus Fruktose-Bausteinen, das von Pferden im Dünndarm gar nicht verdaut werden kann. Es gelangt unverändert in den Dickdarm, wo es von Bakterien fermentiert wird. Bei großen Mengen kann diese Fermentation das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen, den pH-Wert im Dickdarm senken und in der Folge zu Hufrehe führen – einem der gefürchtetsten Krankheitsbilder beim Pferd überhaupt.

Wichtig zu wissen: Lange ging man davon aus, dass vor allem die Fruktan-Fermentation im Dickdarm die Hufrehe auslöst. Neuere Forschung zeigt jedoch, dass insbesondere dauerhaft erhöhte Insulinwerte – ausgelöst durch ESC und Stärke – der entscheidende Risikofaktor für weidebedingte Hufrehe sind. Beide Werte verdienen deshalb Aufmerksamkeit, nicht nur einer.

Warum auch der Hochsommer zur Gefahrenzone wird

Gräser produzieren Zucker durch Photosynthese am Tag und verbrauchen ihn nachts für Wachstum und Zellatmung. Genau dieses Gleichgewicht gerät im Hochsommer häufig aus den Fugen – aus mehreren Gründen gleichzeitig:

  • Starke Sonneneinstrahlung: Lange, sonnige Sommertage kurbeln die Photosynthese an und lassen die Zuckerproduktion in den Pflanzen deutlich steigen.
  • Trockenheit und Hitzestress: Trockene Böden bremsen das Wachstum der Gräser – der produzierte Zucker wird dann nicht für Wachstum verbraucht, sondern in Stängeln und Blattscheiden gespeichert, wo die Konzentration besonders hoch ist.
  • Warme Nächte: Normalerweise bauen Gräser nachts einen Teil ihrer Zuckerreserven für Wachstum ab. Sind die Nächte im Hochsommer zu warm, läuft dieser Abbau unvollständig – am nächsten Morgen ist der Restzucker bereits erhöht.
  • Kurz gehaltenes oder gestresstes Gras: Weiden, die durch Trockenheit, Überweidung oder Hitze gestresst sind, reagieren häufig mit erhöhter Zuckereinlagerung – eine Art Überlebensstrategie der Pflanze.

 

Das Ergebnis: Eine Weide, die optisch saftig-grün und harmlos wirkt, kann im Hochsommer ähnlich hohe Zuckerwerte erreichen wie im Frühjahr – nur aus anderen Gründen.

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Der Tagesverlauf entscheidet

Neben der Wetterlage spielt auch die Tageszeit eine entscheidende Rolle. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen einen klaren Trend: Die Zuckerwerte im Gras steigen über den Tag kontinuierlich an und erreichen am späten Nachmittag und frühen Abend ihren Höhepunkt – nachdem die Pflanze den ganzen Tag über Photosynthese betrieben hat.

Über Nacht bauen die Pflanzen einen Teil dieser Zuckerreserven wieder ab, sodass die Werte in den frühen Morgenstunden am niedrigsten sind. Für gefährdete Pferde bedeutet das: Weidegang in den frühen Morgenstunden ist deutlich risikoärmer als Weidegang am späten Nachmittag oder Abend – vorausgesetzt, die Nacht war nicht ungewöhnlich warm.

Welche Pferde sind besonders gefährdet?

Nicht jedes Pferd reagiert gleich empfindlich auf hohe Zuckerwerte im Gras. Besondere Vorsicht ist geboten bei:

  • Pferden mit EMS (Equinem Metabolischem Syndrom) oder Insulinresistenz
  • Pferden mit bereits durchlebter Hufrehe – das Risiko für einen Rückfall ist deutlich erhöht
  • Robustrassen und Ponys, die generell eine höhere Stoffwechselempfindlichkeit zeigen
  • Übergewichtigen Pferden, da Übergewicht und Insulinresistenz häufig zusammen auftreten
  • Älteren Pferden mit Cushing-Syndrom (PPID), da auch hier die Insulinregulation gestört sein kann

 

Gesunde, schlanke und gut trainierte Pferde kommen mit schwankenden Zuckerwerten in der Regel gut zurecht. Für sie ist der Hochsommer auf der Weide meist unproblematisch – Vorsicht ist vor allem bei den oben genannten Risikogruppen geboten.

Maßnahmen: Was Du konkret tun kannst

  • Weidegang in die frühen Morgenstunden verlegen – am besten vor 10 Uhr, bevor die Zuckerwerte tagsüber ansteigen.
  • An besonders heißen, trockenen Tagen die Weidezeit grundsätzlich verkürzen.
  • Fressbremse oder engmaschige Trense nutzen, um die Aufnahmemenge zu kontrollieren, ohne den Weidegang komplett zu streichen.
  • Gestresste, kurz abgefressene oder vertrocknete Weideflächen für Risikopferde meiden – dort ist die Zuckerkonzentration oft besonders hoch.
  • Bei Pferden mit EMS oder Hufrehe-Vorgeschichte: Weidegang in Rücksprache mit dem Tierarzt individuell planen, im Zweifel auf eine Reherasenfläche umsteigen.
  • Heu statt Gras anbieten, wenn die Wetterlage (heiß, trocken, sonnig) auf erhöhte Zuckerwerte hindeutet.

Weidewetter im Blick: So planst du den Weidegang sicherer

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Weil Sonneneinstrahlung, Trockenheit und Nachttemperatur einen so großen Einfluss auf die Zuckerwerte im Gras haben, lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf die Wetterlage – genau dafür ist die kostenlose Weidewetter-App gemacht. Sie zeigt euch tagesaktuell die Witterungsbedingungen für euren Standort und hilft euch dabei einzuschätzen, an welchen Tagen besondere Vorsicht angebracht ist: viel Sonne, anhaltende Trockenheit und warme Nächte sind die Kombination, die ihr im Blick behalten solltet.

Gerade für Besitzer von Risikopferden ersetzt die App zwar keine Grasanalyse oder tierärztliche Beratung, gibt euch aber eine verlässliche Grundlage, um den Weidegang an die tatsächliche Wetterlage anzupassen – statt sich nur auf den optischen Eindruck der Weide zu verlassen.

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Fazit: Grün bedeutet nicht automatisch sicher

Der Hochsommer wird beim Thema Zucker und Fruktan auf der Weide oft unterschätzt – zu Unrecht. Hitze, Trockenheit und warme Nächte können die Werte ähnlich stark in die Höhe treiben wie der klassische Frühjahrsschub. Wer ein stoffwechselempfindliches Pferd hat, sollte deshalb das ganze Jahr über wachsam bleiben, nicht nur im Frühjahr und Herbst.

Die gute Nachricht: Mit ein paar angepassten Gewohnheiten – frühem Weidegang, wachsamem Blick auf das Wetter und einer Fressbremse für Risikopferde – lässt sich das Risiko deutlich senken, ohne dass euer Pferd auf den Weidegang verzichten muss.

Tipp: Der Handschuh-Test

Wer keine Grasanalyse zur Hand hat, kann sich mit einem einfachen Trick behelfen: Fasst frühmorgens und am späten Nachmittag jeweils eine Handvoll Gras an derselben Stelle der Weide an. Fühlt sich das Gras am Nachmittag deutlich klebriger oder feuchter-süßlich an als am Morgen, ist das ein Hinweis auf einen höheren Zuckergehalt. Ein wissenschaftlicher Test ist das nicht – aber in Kombination mit Wetterdaten aus der Weidewetter-App gibt er euch ein zusätzliches Bauchgefühl dafür, wann besondere Vorsicht angebracht ist. Bei Risikopferden ersetzt das natürlich keine echte Grasanalyse, kann aber im Alltag helfen, ein Gespür für die eigene Weide zu entwickeln.

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