Trockenheit und Hitze: Auswirkungen auf Zuckerwerte im Weidegras

Das ist eine wichtige Frage, besonders für Pferdehalter mit Hufrehe-gefährdeten Pferden. Die Zusammenhänge sind etwas komplexer, als man zunächst denkt. Erstmal ist wichtig zu verstehen, dass es einen Unterschied zwischen Photosynthese und Wachstum gibt.

Autor: dein WEIDEWETTER Team

Neele kennt Pferde von innen – als Designerin, Verhaltenstherapeutin und Futterberaterin. Luis kennt die Reitsportbranche von außen – und programmiert besser als er reitet. Gemeinsam bauen sie WEIDEWETTER, weil sie finden: die Gesundheit eines Pferdes darf nicht vom Geldbeutel seines Halters abhängen.

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Inhaltsverzeichnis

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Grundprinzip: Photosynthese vs. Wachstum

Gras produziert über die Photosynthese Zucker (vor allem Fruktane, einfache Zucker und Stärke). Bei normalem Wachstum wird dieser Zucker für den Aufbau neuer Pflanzenmasse verbraucht. Entscheidend ist also nicht nur, wie viel Zucker produziert wird, sondern wie viel davon verbraucht wird.

Trockenheit (Wassermangel)

  • Wachstumsstillstand: Bei Trockenstress reduziert die Pflanze ihr Wachstum stark, um Wasser zu sparen.
  • Photosynthese läuft weiter: Solange genug Sonnenlicht vorhanden ist, produziert die Pflanze trotzdem weiter Zucker.
  • Folge: Da kaum Wachstum stattfindet, aber Zucker weiterproduziert wird, reichert sich Zucker in der Pflanze an – besonders im unteren Halmbereich und in den Blattscheiden. Das ist einer der gefährlichsten Zustände für rehegefährdete Pferde.

Hitze

Hitze allein (mit ausreichend Wasser) wirkt sich unterschiedlich aus:

Warme Nächte sind das eigentliche Problem: Normalerweise bauen Pflanzen nachts einen Teil der tagsüber gebildeten Zucker durch Atmung (Respiration) wieder ab bzw. nutzen sie fürs Wachstum. Bei hohen Nachttemperaturen läuft dieser Abbau zwar schneller, aber wenn gleichzeitig Trockenstress das Wachstum bremst, bleibt trotzdem ein Überschuss zurück.

Kühle, klare Nächte dagegen führen oft zu den höchsten Zuckerwerten am folgenden Morgen, weil der Abbau über Wachstum gehemmt ist, aber tagsüber viel produziert wurde.

 

Die gefährlichste Kombination

Sonnige, trockene Tage + kühle Nächte + Trockenstress ergeben die höchste Zuckerkonzentration im Gras:

  • Hohe Photosyntheseleistung am Tag (viel Sonne)
  • Gehemmtes Wachstum (Trockenheit) → Zucker wird nicht “verbraucht”
  • Reduzierter nächtlicher Abbau bei kühlen Temperaturen

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Praktische Konsequenzen für die Weidehaltung

  • Tageszeit beachten: Zuckerwerte steigen typischerweise von morgens bis zum späten Nachmittag an und sind in den frühen Morgenstunden (vor Sonnenaufgang) am niedrigsten.
  • Nach Trockenperioden vorsichtig sein: Gerade wenn nach langer Trockenheit wieder Regen fällt und die Pflanze “explosionsartig” wächst, kann es ebenfalls zu erhöhten Werten kommen, bis sich das Wachstum stabilisiert.
  • Rehegefährdete Pferde: In Trocken- und Hitzeperioden Weidezeiten reduzieren, ggf. auf Nachmittags-/Abendweide verzichten und eher früh morgens weiden lassen, oder ganz von der Weide nehmen und auf Heu umstellen.
  • Überweidung vermeiden: Kurz abgefressenes, gestresstes Gras hat oft höhere Zuckerkonzentrationen in den unteren Pflanzenteilen als hoch gewachsenes Gras.

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Fazit – anderer Mechanismus ähnliche Gefahr

Trockenheit und Hitze wirken auf den Zuckergehalt im Weidegras nicht auf die gleiche, sondern auf zwei unterschiedliche Weisen – gemeinsam sind sie jedoch besonders gefährlich. Während Trockenstress vor allem das Wachstum bremst und dadurch produzierten Zucker in der Pflanze anstauen lässt, sorgen kühle, klare Nächte dafür, dass der nächtliche Zuckerabbau ausbleibt. Für rehegefährdete Pferde ist deshalb nicht die Hitze allein entscheidend, sondern das Zusammenspiel aus Sonne, Wassermangel und Nachttemperatur. Wer diese Mechanismen kennt, kann Weidezeiten gezielter planen – statt sich allein auf den optischen Zustand der Weide zu verlassen.

Tipp: Nach Trockenperioden besonders wachsam bleiben

Ein oft unterschätzter Risikomoment ist der erste Regen nach einer längeren Trockenphase. Die Pflanze schaltet dann von Zuckerspeicherung auf Wachstum um und “verbraucht” ihre Reserven zunächst für den Neuaustrieb – dabei kann es kurzzeitig zu besonders hohen Zuckerspitzen kommen, bevor sich das Wachstum stabilisiert. Für rehegefährdete Pferde empfiehlt es sich daher, gerade in den ersten Tagen nach einsetzendem Regen nach einer Trockenperiode die Weidezeit eher zu reduzieren, statt die Wiederkehr des Grüns als Entwarnung zu werten.

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